Zusammenspiel von Katastrophenschutz und Pflege

Schadenslagen wie das Hochwasser 2013, Stromausfälle oder Bombenevakuierungen haben deutlich gemacht: Zuhause versorgte Pflegebedürftige sind in solchen Lagen besonders – auch lebensbedrohlich – gefährdet. Wie können der Katastrophenschutz und die ambulante Pflege zusammenarbeiten, um diese Gruppe besser zu unterstützen? Wo gibt es bereits Schnittstellen zwischen den beiden Strukturen? Welche Erfahrungen wurden seitens der DRK-Katastrophenschützer*innen gemacht? Wie müsste im Krisenfall eine Notunterkunft für Pflegebedürftige aussehen?

Mit diesen und weiteren Fragen ist das DRK zu Beginn des Monats in die empirischen Erhebungen gestartet. Basierenden auf den theoretischen Erkenntnissen zum aktuellen Stand der Zusammenarbeit zwischen Katastrophenschutz und ambulanter Pflege, deren Fähigkeiten und Bedarfen, wurden Leitfragen entworfen. Diese werden DRK-Expert*innen in Interviews gestellt, um das Thema aus ihrer Sicht in den Fokus zu nehmen. Im Sinne des komplexen Hilfeleistungssystem kommen diese nicht nur aus dem Bereich des Betreuungsdienstes, sondern beispielsweise auch aus dem Bereichen Wohlfahrt und Sozialarbeit oder dem Rettungsdienst. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den DRK-Expert*innen aus der Modellregion Magdeburg.

In den ersten, sehr aufschlussreichen Interviews konnte bereits ein Eindruck gewonnen werden. Die Ergebnisse aus den Interviews sind für die Erkenntnisse und den weiteren Verlauf des Teilprojekts des DRK, “Sicherheit und Katastrophenschutz” von AUPIK, der erste empirische Grundstein. So werden in den Interviews Erfahrungen von Katastrophenschützer*innen mit Pflegebedürftigen in Krisen gesammelt. Dabei konnten bereits einige Schnittstellen und vergangene Kooperationen bzw. Bedarfe einer Zusammenarbeit mit dem Pflegebereich festgestellt werden. Außerdem haben die Interviewpartner*innen über die Fähigkeiten der Einsatzkräfte im Umgang mit Pflegebedürftigen berichtet, welche Potenziale sie für die Zukunft sehen, und welche Fortbildungen, Materialien aber auch Vernetzungen nötig werden, um diese auch zu nutzen. Auch in Punkto Notunterkunft in einem Krisenereignis haben die ersten Expert*innen bereits ihre Einschätzungen abgegeben, wie ein bisher fiktiver “Betreuungsplatz Pflege”, in dem auch Pflegebedürftige nach einer erforderlichen Evakuierung ausreichend versorgt werden könnten, aussehen müsste. Der Fokus liegt dabei vor allem auf den benötigten Fähigkeiten der Einsatzkräfte und der Zusammenarbeit mit Pflegefachkräften, aber auch auf dem benötigten Material.

Die Interviews legen somit die Basis für die Identifikation der Fähigkeiten und Bedarfe im Katastrophenschutz und die Zusammenarbeit mit ambulanten Pflegefachkräften. Die Expert*innen leisten einen wichtigen Input, der sowohl für die Entwicklung von Konzepten zur Zusammenarbeit in der Häuslichkeit der Pflegebedürftigen als auch in einer Notunterkunft oder dem „Betreuungsplatz Pflege“ wichtig ist.  Nach Abschluss der Interviewphase wird mit der Auswertung begonnen, um Erkenntnisse zu systematisieren und für die Ziele von AUPIK nutzbar zu machen. Die Erkenntnisse aus den Interviews werden mit einer Fokusgruppe aus DRK-Expert*innen des Katastrophenschutzes diskutiert, um darauf aufbauend Pilotansätze für Schulungen und Konzepte zu entwickeln. (drk)

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