Projektpartner:innen, Wissenschaft und Interessierte trafen sich in der Modellregion Magdeburg
Nach rund drei Jahren geht das Forschungsprojekt „Aufrechterhaltung ambulanter Pflegeinfrastrukturen in Krisensituationen“, kurz AUPIK, zu Ende. Niemand habe vorhersehen können, welche zusätzliche Relevanz das Projekt während seiner Laufzeit erhalten würde, sagte Konsortialleiter Dr. Marco Krüger (Interkulturelles Zentrum für Ethik in den Wissenschaften der Universität Tübingen) in seiner Begrüßungsrede zum Projektabschluss am 7. Juni in Magdeburg. Die Corona-Pandemie und das Hochwasser im Ahrtal hätten gezeigt, wie schnell Infrastrukturen zusammenbrechen und wie kompliziert die Kommunikation zwischen den beteiligten Institutionen im Ernstfall sein kann. Gleichzeitig wurden die „Maßstäbe und Grundsätze“ der pflegerischen Versorgung aktualisiert und fordern nun von den Pflegeeinrichtungen konkrete Vorbereitungen auf Krisen.
Wer hilft wem?
„Wenn einer denkt, der andere macht den Abwasch, bleibt er liegen“, fasste Krüger eines der zentralen Ergebnisse von AUPIK zusammen. Pflegedienste und ihr Personal sind nicht ausreichend auf Krisensituationen vorbereitet und verlassen sich auf den Katastrophenschutz. Diesem wiederum fehlt zum einen das Wissen über pflegebedürftige Menschen, zum anderen ist die pflegerische Versorgung der Betroffenen ohne die Hilfe von Pflegekräften nicht möglich.
Die Projektpartner:innen, das Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft der Charité – Universitätsmedizin Berlin, das Deutsche Rote Kreuz, die Universität Tübingen und das Verlagshaus Vincentz Network haben verschiedene Bildungs- und Informationsmaterialien erarbeitet, die Pflege und Katastrophenschutz besser auf die pflegerische Versorgung in Krisensituationen und die Zusammenarbeit vorbereiten sollen. Dazu gehören beispielsweise eine Konzeptidee für einen Katastrophenschutzplan für die ambulante Pflege, ein Pilotkonzept für die temporäre Zentralisierung der pflegerischen Versorgung sowie Ansätze für zwei digitale Trainings, mit denen Pflegende und Katastrophenschützer:innen ihr Wissen über Krisen erhöhen bzw. mehr über die Vernetzung im Vorfeld lernen können.
Praxisorientierte Workshops
In verschiedenen Workshops präsentierten und diskutierten die Konsortialpartner:innen ihre Ergebnisse mit den Teilnehmer:innen. Im Workshop „Pflegebedürftige in Notunterkünften: Das Pilotkonzept Einsatzabschnitt Pflege“ des Teilprojekts „Sicherheit und Katastrophenschutz“ des Generalsekretariats des Deutschen Roten Kreuzes stand die Frage nach einer bedarfsgerechten Versorgung pflegebedürftiger Menschen in Notunterkünften im Mittelpunkt. Gemeinsam erarbeiteten die Teilnehmenden anhand verschiedener Fallbeispiele, welche heterogenen Bedarfe pflegebedürftige Menschen haben und welche Akteure pflegerische Leistungen und unterstützende Tätigkeiten in einem „Einsatzabschnitt Pflege“ erbringen können.
In zwei Impulsvorträgen stellten die Wissenschaftler:innen des Instituts für Gesundheits- und Pflegewissenschaft (IGPW) der Charité sowie Prof. Jörg Hallensleben (Apollon Hochschule) die von ihnen im Teilprojekt „Sicherheit und Pflege“ entwickelten Ansätze vor. Dabei ging es zum einen um die Erstellung eines organisatorischen Katastrophenschutzplans und zum anderen um ein Gutachten zur Kostenabschätzung von Maßnahmen zur Resilienzstärkung ambulanter Pflegedienste, das Prof. Hallensleben im Rahmen eines Unterauftrags erstellt hatte. Anschließend beschäftigten sich die rund 20 Teilnehmenden in Kleingruppen mit Auszügen aus dem organisatorischen Katastrophenschutzplan („Instrument zur Gefährdungsanalyse“ und „Mustervorlage zur Krisenkommunikation“) und diskutierten die Frage, wie Katastrophenvorsorge von ambulanten Pflegediensten trotz Ressourcenknappheit gelingen kann. Es wurde einmal mehr deutlich, dass trotz vieler kreativer Ideen, wie sich ambulante Pflegedienste auf Krisen vorbereiten können, Ressourcen zur Verfügung gestellt werden sollten, damit Katastrophenvorsorge gezielt und umfassend umgesetzt werden kann, so die Wissenschaftler:innen des IGPW.
Ethische und strukturelle Fragen standen im Fokus des Internationalen Zentrums für Ethik in den Wissenschaften (IZEW) der Universität Tübingen. In einem kurzen Input-Vortrag stellten die Wissenschaftler:innen fünf Herausforderungen vor, denen sie im Rahmen von AUPIK bezüglich der Zusammenarbeit von Pflegestrukturen und Katastrophenschutz begegnet sind. Gemeinsam mit den Teilnehmer:innen wurden dann drei Fragen bearbeitet: 1. Was können die Beteiligten selbst zur Lösung dieser Probleme beitragen, 2. wen brauchen sie noch, um die Probleme zu lösen und 3. was würden sie sich wünschen. Die Ergebnisse wurden anschließend zusammen mit den in AUPIK erarbeiteten Handlungsempfehlungen im Plenum diskutiert.
Der Verlag Vincentz Network stellte den Workshop-Teilnehmer:innen den im Projekt entwickelten digitalen Demonstrator vor. Dieser enthält zum einen technische Ansätze, mit denen Pflegende und Katastrophenschützer:innen gemeinsam besser auf Krisen vorbereitet werden sollen und ihnen die Kommunikation im Vorfeld erleichtert wird. Im Mittelpunkt stehen jedoch die von IGPW und DRK erarbeiteten inhaltlichen Kurztrainings für beide Zielgruppen. Die Teilnehmenden konnten diese vor Ort testen und gaben wertvolles Feedback.
Der technische Demonstrator sowie weitere Forschungsergebnisse werden in Kürze unter www.aupik.de zur Verfügung stehen.
