Die Strukturen des Katastrophenschutzes sind für die Bewältigung von Ausnahmesituationen konzipiert. Hilfsmaßnahmen berücksichtigen jedoch nicht alle in der Gesellschaft bestehenden Bedarfe. So sind viele Katastrophenschutzstrukturen kaum auf die Betreuung von Personen mit Pflegebedarf ausgestattet. Neben der fehlenden Ausstattung ist der in großen Teilen ehrenamtlich aufgestellte Katastrophenschutz nicht für die Betreuung von Personen mit Pflegebedarf ausgebildet.
- Wenn die Strukturen des Katastrophenschutzes im Sozialraum präsent sind, erhöht das nicht nur deren Sichtbarkeit, sondern auch die des Themas Katastrophenschutz. Schon heute nehmen Freiwillige Feuerwehren oft eine lebendige Rolle im Vereinsleben ein. Auch Hilfsorganisationen basieren auf ehrenamtlich Aktiven. Ihre Präsenz kann Bewusstsein für das Thema und Interesse an der Mitarbeit schaffen.
- Doch auch die regelmäßige Vernetzung mit anderen wichtigen Akteuren des Sozialraums ist von Bedeutung. So ist der Kontakt mit Pflegediensten im Vorfeld einer Schadenslage für die schnelle Suche von Ansprechpartnern in der Schadenslage von Vorteil.
- Gerade für den Fall, dass ein Einsatzabschnitt Pflege in einem Betreuungsmodul des Katastrophenschutzes etabliert werden soll, ist der Kontakt zu örtlichen Pflegediensten und ihren Pflegefachpersonen eine wertvolle Ressource.
|
- Die Strukturen des Katastrophenschutzes sollten in die Lage versetzt werden, auch Pflegebedarfe in ihren Ersatzvorhaltungen berücksichtigen zu können. Wenn die Berücksichtigung von barrierearmen Vorhaltungen zu einem Mehraufwand führt, ist dieser den Hilfsorganisationen finanziell zu ermöglichen.
- Ein in der Mehrheit auf Ehrenamt aufgebautes Katastrophenschutzsystem kann kein funktional ausdifferenziertes gesellschaftliches Gefüge ersetzen. Jedoch sollten Leitungskräfte im Katastrophenschutz in der Einbindung alltäglicher Versorgungsstrukturen geschult werden. Diese Schulungen gilt es seitens der Hilfsorganisationen aber auch seitens der Bundesakademie für Bevölkerungsschutz und Zivile Verteidigung (BABZ) anzubieten und umzusetzen.
- Die nötigen Ressourcen für den Katastrophenschutz zur Stärkung der Pflege in Krisen und Katastrophen hängen von der Ausstattung der alltäglichen Pflegestrukturen ab. Insofern gilt es in erster Linie Synergien zwischen Pflege und Katastrophenschutz zu fördern und erst nachrangig Möglichkeiten der Ersatzvorhaltung zu schaffen.
- Um einen möglichst guten Überblick über Möglichkeiten und Potenziale der Akteursgruppen zu bekommen, sollten sich Personen aus der ambulanten pflegerischen Versorgung und aus den Strukturen des Katastrophenschutzes vernetzen. Dies kann in Form von kommunal geschaffenen Begegnungsräumen oder mittels organisationsübergreifender Vernetzungstreffen erfolgen.
- Darüber hinaus kann Verständnis auch über gemeinsame Ausbildungsformate hergestellt werden. Der im Forschungsprojekt AUPIK erstellte Demonstrator stellt ein Beispiel hierfür dar.
- Die Strukturen des Katastrophenschutzes sind institutionalisierte Katastrophenvorsorge. Doch Katastrophenvorsorge klappt am besten in Netzwerken. Diese gilt es seitens der Katastrophenschutzbehörden auf allen Ebenen zu institutionalisieren.
- Die Betreuung von Pflegebedürftigen sollte durch Weiterbildungen zum Modul des Betreuungsplatzes sowie zur Einbindung von Pflegefachpersonen in diese Strukturen bereits im Vorfeld institutionalisiert vorbereitet werden.
