Startschuss für Aupik

Was tun im Katastrophenfall? AUPIK nimm ambulante Pflege unter die Lupe

Startschuss für das vom Bundesforschungsministerium geförderte Forschungsvorhaben zur Aufrechterhaltung der ambulanten Pflegeinfrastruktur in Krisensituationen, kurz: AUPIK. Ziel des dreijährigen Projekts der Universität Tübingen, des Deutschen Roten Kreuzes, der Charité – Universitätsmedizin Berlin sowie des Fachverlags Vincentz Network: die Stärkung der ambulanten Pflegeinfrastruktur in Krisen und Katastrophenfällen. Modellregion ist Magdeburg.

Pflegekräfte, die zu Pflegebedürftigen nach Hause kommen, Betreutes Wohnen, Pflege-WGs: Ambulante Pflege ist auf dem Vormarsch. Waren 1999 noch 2,02 Million Menschen gemäß SGB XI pflegebedürftig, so stieg die Zahl bis Ende 2018 auf 3,92 Millionen. 73 Prozent von ihnen, mehr als drei Millionen Menschen, werden zuhause gepflegt. Und die Zahl steigt weiter.

Wie aber sind Menschen, die ambulant versorgt werden, vielleicht sogar intensivpflegerische Unterstützung und Beatmung benötigen, in die Maßnahmen des Katastrophenschutzes eingebunden? Was passiert mit ihnen in Krisensituationen? Wie wird gewährleistet, dass auch sie bei Bombenräumungen, Großbränden, Hochwasser oder Gefahrstoffausbreitung, rechtzeitig informiert werden und Hilfe erhalten? Diesen Fragestellungen widmet sich AUPIK. Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt ist jetzt mit einem Treffen der Konsortialpartner in Tübingen gestartet (3. März 2020).

Geleitet wird AUPIK vom Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW) der Universität Tübingen. Weitere Partner: das Deutsche Rote Kreuz, das Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft (IGPW) der Charité – Universitätsmedizin Berlin sowie Vincentz Network, renommierter Fachverlag für die Altenhilfe in Hannover. „Ausgangspunkt der Forschungsinitiative ist die Erkenntnis, dass die häusliche Pflege auf Störungen alltäglicher Abläufe oder gar Krisensituationen nicht ausreichend vorbereitet ist“, erklärt der Leiter des Forschungskonsortiums, Marco Krüger von der Uni Tübingen. Und auch der Katastrophenschutz sei derzeit strukturell nicht in der Lage, die wachsende Zahl zuhause gepflegter Menschen in einer Katastrophensituation angemessen zu unterstützen.

Ziel von AUPIK ist es, einen nachhaltigen Dialog zwischen den bisher getrennt verlaufenden Strukturen der Pflege und des Katastrophenschutzes zu initiieren. Die häusliche Pflege soll gestärkt werden, so dass ihr Weiterbetrieb auch in Schadenslagen stabil und sicher gewährleistet ist und Pflegebedürftige weiter in ihrem gewohnten Umfeld versorgt werden können. In einem zweiten Schritt wollen die Konsortialpartner Maßnahmen zur vorübergehenden Zentralisierung bisher ambulanter und dezentraler Pflegeinfrastrukturen im Rahmen des Katastrophenschutzes schaffen. Ein Teilziel auf diesem Weg: die Entwicklung eines zentralen Betreuungsplatzes für die außerklinische Intensivpflege. „Unser zweistufiger Ansatz will Menschen so lange wie möglich in ihrem Umfeld belassen, aber auch vorbereiten, wenn dies nicht mehr funktioniert“, betont Krüger.

Damit das gewonnene Wissen auch bei den Pflegediensten, dem Katastrophenschutz und bei Betroffenen ankommt, wird das Verlagshaus Vincentz Network zusammen mit den Forschungspartnern Bildungsmaterialien entwickeln. „Hier können wir als führendes Medienunternehmen im Bereich der Pflege auf jahrzehntelange Erfahrung und Expertenwissen zurückgreifen“, sagt Lukas Sander, Chefredakteur der Fachzeitschrift Häusliche Pflege. Vorgesehen seien digitale Angebote, die sowohl Lösungen für die Kommunikation der Helfenden untereinander als auch mit den Betroffenen beinhalten.

Modellregion des dreijährigen Forschungsprojekts ist die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts, Magdeburg, inklusive ihres Umlands. Gefördert wird AUPIK durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung innerhalb des Programms „Forschung für die zivile Sicherheit“ im Rahmen der Bekanntmachung „Zivile Sicherheit – Sozioökonomische und soziokulturelle Infrastrukturen“. Projektträger ist die VDI Technologiezentrum GmbH in Düsseldorf.

Das AUPIK-Team beim Kick-off in Tübingen (v.l.n.r.): Prof. Dr. Michael Ewers, Dr. Yvonne Lehmann (beide Charité), Prof. Dr. Regina Ammicht Quinn (Uni Tübingen), Dr. Lena Panzer-Selz (Vincentz Network), Katharina Wezel (Uni Tübingen), Lukas Sander (Vincentz Network), Heidi Oschmiansky (DRK) und Marco Krüger (Uni Tübingen). Foto: Friedrich Gabel/IZEW

Weitere Testimonials der Projektpartner

„AUPIK eröffnet die Möglichkeit, Patientensicherheit als ein, im deutschsprachigen Raum noch recht neues, aber international immer wichtiger werdendes Thema in der Pflege zu erforschen und weiterzuentwickeln.“
Prof. Dr. Michael Ewers, Charité – Universitätsmedizin Berlin

„AUPIK strebt eine Verzahnung von Strukturen des Katastrophenschutzes mit ambulanten Pflegeinfrastrukturen an. Mit den Bildungsmaterialien können die Einsatzkräfte aus beiden Bereichen besser kooperieren, um in der Häuslichkeit gepflegte Menschen zukünftig in Krisen besser zu unterstützen.“
Dr. Heidi Oschmiansky, DRK

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